
Warum erleide ich einen Hörsturz?
Die betroffenen Personen sind von den gesundheitlichen Auswirkungen
und der nachfolgenden Diagnose "Hörsturz" oftmals sehr
überrascht. Auf einmal kann die betroffene Person nur noch auf
einem oder gleich auf beiden Ohren sehr eingeschränkt oder gar
nicht mehr hören. Die Begleiterscheinungen zeigen sich zudem
ebenfalls beängstigend, da ein dumpfes Gefühl innerhalb
des Ohrs und Ohrgeräusche auftreten. In einigen Fällen kann
es auch zu Schwindel kommen.
Häufigste Ursache für einen Hörverlust sind Durchblutungsstörungen
im Innenohr. Es ist jedoch nicht vollkommen genau zu definieren welche
Ursachen direkt für den Hörsturz verantwortlich zeigen.
Deshalb werden auch Infektionen und Immunerkrankungen als auslösende
Faktoren in der Fachwelt diskutiert.
Wie sind die Heilungschancen zu beurteilen?
Die Heilungschancen sind als am besten einzuschätzen, wenn die
ärztliche Indikation frühzeitig, d.h. bereits nach unmittelbarem
Auftreten des Hörsturzes eingeleitet wird.
Wie ist die Entstehung der Krankheit
zu erklären?
Der genaue Entstehungsablauf des Hörsturzes ist nicht eindeutig
definiert. Eine Kombination verschiedener Einflußfaktoren,
die dann zu einer Veränderung der Durchblutung im Innenohr
führen, sind wahrscheinlich. Im Innenohr befinden sich die
für das Hören zuständigen Haarzellen. Diese wandeln
äußerliche Geräusche in ein elektrisches Signal
um. Über den Hörnerv werden diese an das Hörzentrum,
das sich im Gehirn befindet, weitergeleitet. Blutgefäße
versorgen die Haarzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Eine
dort auftretende Mangeldurchblutung beeinträchtigt die Haarzellen
in der Funktion und führt zu Hörverlust
Welche Ursachen führen zu einem
Hörsturz?
Gefäßverschlüsse wie sie vergleichbar einem Herzinfarkt
auftreten sind vermutlich Ursache. Daher gelten Bluthochdruck, ausgeprägter
Nikotin- und Koffeingenuss auch als Risikofaktoren für die
akute Ausprägung eines Hörsturzes. Es tragen alle Einflußfaktoren,
die zu einer Verdickung oder ansteigenden Gerinnungsneigung des
Blutes zuträglich sind zur Auslösung der Krankheit bei.
Ein wichtiger Aspekt ist der Zusammenhang zwischen seelischen Belastungen
und/ oder Konfliktsituationen. Hat der Patient dauerhaft viel Stress
in der Arbeit oder beispielsweise Probleme in der Partnerschaft
zu bewältigen ist das Auftreten von Hörstürzen vermehrt
zu beobachten.
Wie erfolgt die Diagnose?
Zunächst handelt es sich beim Hörsturz um einen dringenden
medizinischen Notfall. Wird der Hörsturz nicht umgehend behandelt,
bleibt das Risiko bestehen langfristige Hörschäden zu
erleiden, die nicht mehr vollständig regeneriert werden können.
Dies kann bis zur völligen Taubheit führen. Daher sollte
man bei verminderten Hörvermögen, verändertes Ohrgefühl,
Ohrgeräusche oder auftretendem Schwindel den HNO-Arzt aufsuchen.
Ist dieser nicht erreichbar ist auch der Weg in die ambulante Behandlung
des örtlichen Krankenhauses anzuraten.
Besonders schwierig ist es bei Jugendlichen, die die Symptome oftmals
mit den Nachwirkungen eines Discobesuches verwechseln können.
Das dort auftretende "Nachpiepen" kommt den Symptomen
des Hörsturzes sehr nahe.
Der Arzt befragt zunächst den Patienten und leitet dann verschiedene
Untersuchungen zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit
des Ohres ein. Hierzu gehören die Ohrspiegelung, Hörprüfungen,
Stimmgabelprüfung sowie Sprachaudiometrie. Alle diese Maßnahmen
dienen dazu das Ausmaß der bestehenden Schwerhörigkeit
zu ermitteln. Darüber hinaus werden Untersuchungen zur Unterscheidung
zwischen Hörsturz (Schwerhörigkeit des Innenohres) und
Schwerhörigkeit durch eine Erkrankung des Hörnervs (neurale
Schwerhörigkeit) durchgeführt. Alle diese durchgeführten
Maßnahmen sind schmerzlos.
Welche Schweregrade sind festzustellen?
Der Schweregrad des Hörsturzes von Patient zu Patient unterschiedlich.
Die Reichweite langt von leichteren Fällen bis hin zu dem Eintritt
einer kompletten Taubheit des Ohres. Dabei tritt ein dumpfes Druckgefühl
auf, das mit "Watte im Ohr" zu beschreiben ist. Bei 80
% der Patienten kommen noch Ohrgeräusche (sog. Tinnitus) und
bei 30% auch Schwindelsymptome hinzu.
Wie häufig werden Hörstürze
diagnostiziert?
Mittlerweile avanciert der Hörsturz zu einer der häufigsten
Funktionsstörungn im Innenohr des Menschen. Somit kann man
von einer neuen Krankheit sprechen, die in der Industriegesellschaft
einen rasanten Anstieg zu verzeichnen hat. So leiden in Deutschland
schätzungsweise über 300.000 Menschen jedes Jahr unter
diesem Leiden. Dabei sind die Schweregrade so unterschiedlich wie
die Entstehungsgeschichte. Früher konnte man feststellen dass
ausschliesslich 50-60 jährige betroffen waren, heute nimmt
der Anteil der 30- bis 40-jährigen stetig zu.
Wie erfolgt eine Therapie des Hörsturzes?
Bei der Behandlung des Hörsturzes wird zunächst die Durchblutung
des Innenohres sichergestellt. Dies soll eine ggf. vorliegende Sauerstoffunterversorgung
der Haarzellen wiederherstellen. Heilungschancen sind als sehr erhöht
einzuschätzen je früher der Therapiebeginne erfolgt.
Folgende Therapien werden durchgeführt:
1. Infusionstherapie
Diese so genannte Infusionstherapie zielt auf die Verbesserung der
Blutzirkulation ab und ist das bisherige Standardbehandlungsverfahren.
Die intravenöse Behandlung dauert zwischen 10-14 Tage, wobei
einmal täglich eine Lösung verabreicht wird. Diese Lösungen
vergrößern das Blutvolumen in den Blutgefäßen.
Durch diese Blutverdünnung wird die Fließeigenschaft
verbessert, die auch durch zusätzliche Gabe von Medikamenten
noch ergänzt werden kann. Der Erfolg der zeitaufwändigen
Infusionstherapie ist umstritten, jedoch von der Krankenkasse derzeitig
erste Wahl bei der Kostenübernahme. Darüber hinaus kann
auch Cortison zur Anwendung gegeben werden.
2. Sauerstoffüberdrucktherapie
Die Sauerstoffüberdrucktherapie ist auch als hyperbare Sauerstofftherapie
bekannt. Hier wird der zu behandelnde Patient in eine Überdruckkammer
gebracht wo er dann Sauerstoff (reiner) über eine Atemmaske
einatmen muß. Durch diesen Prozeß wird verstärkt
Sauerstoff im Blut und Gewebe angereichert. Somit werden die Haarzellen
wieder besser mit Sauerstoff versorgt. Diese Wirksamkeit dieser
Anwendung ist fraglich.
3. Laser-Ginkgo-Verfahren
Der Patient erhält hierbei eine Spritze mit dem pflanzlichen
Wirkstoff Ginkgo verabreicht. Gingko wirkt ebenfalls positiv auf
die Fließeigenschaften des Blutes ein und führt so zu
einer erhöhten Durchblutung (vor allem im Gehirn). Wissenschaftliche
belegt ist die Wirkung noch nicht.
4. H.E.L.P.-Apherese
Das LDL-Cholesterin verengt z.B. die Blutgefäße verengt
behindert den normalen Blutfluss. Hingegen der Gerinnungsfaktor
Fibrinogen fördert Blutgerinnung und führt hoch konzentriert
zur Bildung von Blutgerinnseln. Dies lässt die Gefäße
verstopfen und Blutzirkulation beeinträchtigen. Hierdurch kommt
es wiederum zu einer Sauerstoffunterversorgung. Mit der H.E.L.P.-Apherese
können die angeführten hinderlichen Stoffe aus dem Blut
entfernt werden und die Fließeigenschaften des Blutes verbessert
werden.
Welche dauerhaften Folgen können
entstehen?
Häufigste anzutreffende
Spätfolge des Hörsturzes ist der Tinnitus. Hierunter sind
Ohrgeräusche zu verstehen, die sich durch Pfeifen, Klingeln
oder Rauschen beim Patienten als sehr beeinträchtigend einstellen.
Wie ist die Prognose einzuschätzen?
Vielfach ist eine Besserung des Hörsturzes sogar ohne Behandlung
binnen weniger Stunden eingetreten. Die Spontanheilung liegt bei
ca. 60 %, jedoch maßgeblich vom Behandlungszeitpunkt abhängig.
Je früher die Behandlung desto erfolgreicher. Auf diesem Wege
ist in 80-90% der Fälle eine Wiederherstellung der Hörfähigkeit
möglich. Bei Behandlungsbeginn in der ersten Woche.
Welche prophylaktischen Maßnahmen
kann ich einleiten?
Zur Prophylaxe einees weiteren (oder erstmaligen) Hörsturzes
ist einzuschätzen ob seelische Belastungen als Begleiterscheinung
des Hörsturzes beobachtet wurden. Daher sollten dann Strategien
zur besseren Bewältigung von Konfliktsituationen entwickelt
werden.
Hierbei sind z.B. folgende Techniken förderlich:
Autogenes Training, Yoga und Meditation. Darüber hinaus sollte
übermäßige Lärmbelastung vermieden werden.
Bei der Ernährung sollte man auf ausgewogene und ballaststoffreiche
Ernährung (viel Obst und Gemüse) bei geringem Fettanteil
achten. Nikotin, also Zigarettenkonsum sollte komplett eingeschränkt
bzw. vermieden werden.